Schulgarten/Imkerei


 

Die Geschichte der Bauern- und Schulgärten…

( Quelle: Karin Hochegger – Bauerngärten )

Ein Bauern- oder Schulgarten war immer Teil der bäuerlichen und dörflichen Kultur und Umwelt. Meistens betrieben die Frauen die Gartenarbeit. Die Frauen tauschten sich aus, somit entstanden regionale ähnliche Gestaltungselemente, häufig an den Umrandungen zu erkennen, immer in der Nähe des Hauses und dem Haus angepasst. Die Nähe zur Küche, die Lage zur Sonne waren ausschlaggebend. So nutze man auch die Abstrahlungswärme der Mauern am Abend für ein gutes Wachstum. Die Größe der Gärten variierte zwischen 30 bis über 100 qm. Der Grundriss folgte dem Gelände und den Möglichkeiten und war vorrangig nach Süden und Osten ausgerichtet und nach Norden und Westen geschützt. Dadurch waren die Beete oft alles andere als geometrisch angelegt. Meist teilte ein Hauptweg den Garten in 2 Hälften. Die ursprüngliche Form des Kreuzweges, die von den Klostergärten übernommen wurde, ist nur noch selten anzutreffen. Im Mittelalter war in den Klöstern das ganze Wissen um Anbau, Vermehrung und Verwendung von Gemüse, Heilpflanzen und Kräutern zu finden und breitete sich von da in die bäuerliche Kultur aus. Der Gegensatz zwischen der eher strengen formalen Grundgestaltung und des üppigen Pflanzenwuchs macht bis heute den besonderen Reiz vieler Bauern- und Schulgärten aus.

Auch bei unserem Schulgarten ist dieser alte Grundriss nur im ersten Teil zu finden. Der Schulgarten diente primär der ganzjährigen Versorgung der Lehrerfamilie mit den Grundnahrungsmitteln, Vitamine, Heilkräuter und Gewürze. Der Garten bewahrte die Familie in Krisenzeiten vor Hunger und half bei Erkrankung. Meist sind es die Frauen, die diese häufig mühsame Arbeit vollbracht haben, ohne dass dies jemals als Wirtschaftserfolg angesehen wurde.

Im Bauern- und Schulgarten findet sich eine große Vielfalt an Pflanzenarten. Bis zu 100 verschiedene Arten an Gemüse, Kräutern und Blumen wachsen in bunt gemischtem Durcheinander und erzeugen ein lebendiges Bild. Für viele Insekten und Kleintiere bietet der Garten mit seiner Fülle an blühenden Kräutern eine kleine Oase. Es gibt keine strenge Trennung zwischen Gemüse, Blumen und Kräutern im Bauerngarten. So können blauer Borretsch, neben knolligen Kohlrabi und dem aufrechten Schnittlauch wachsen. Die Heilkräuter in der Nachbarschaft mit den Nutzpflanzen dienen auch der Insektenabwehr. Für die unterschiedlichen Kompositionen gibt es keine allgemeingültigen Rezepte. Experimentieren und tolerieren sind wichtige Grundhaltungen im Bauerngarten. Eine weitere Grundregel war und ist, dass jede Kultur erst nach 4 Jahren wieder am selben Platz angebaut werden sollte, um ein Auszehren des Bodens zu verhindern und hohen Ertrag zu erzielen.

Durch die Wahl lokaler Materialien in der Gestaltung und Umgrenzung des Gartens fügte der Garten sich harmonisch in die Landschaft ein. Der Zaun diente aber auch als Markierung des Besitzes, somit sichtbarer Grenze. Der Zaun sollte vor Wild- oder Federvieh schützen, galt aber auch seit dem Mittelalter als rechtlich gültige Grenze. Aber auch den bösen Geistern sollte der Zaun den Eintritt verwehren und man hoffte auf die magischen Kräfte des Wachstums und des Friedens. Ein schöner Flechtzaun ist ein Kunstwerk, geflochten in der hiesigen Region häufig aus Weidenruten. Ein Teil unseres Schulgartens haben wir damit umrahmt. Eine weitere häufige Einfassungsart ist die Buchsbaumumrandung, hier bei uns im Haus nahen Teil zu finden.

Wir laden Sie herzlich ein unseren Schulgarten zu besuchen, es wird gewiss noch 2-3 Jahre dauern, bis er seine üppige Vielfalt entwickelt hat. Wir sind bemüht, hauptsächlich alte Gemüse, Gewürze und Heilpflanzen anzubauen.

Garten:

Seit Sommer 2004 wird der Nutzgarten in der Museumsschule von zwei Frauen aus dem Museumsverein bewirtschaftet, genutzt und als historischer Bauerngarten angelegt. Von Zeit zu Zeit berichten sie über die Entwicklung im Schulgarten und über historische Grundlagen alter Nutzgartenkultur.

Der Anbau im Bauerngarten

Fruchtfolge:

Im Bauerngarten achtet man auf die Fruchtfolge, um die Bodenqualität zu erhalten und um Düngemittel nur sparsam einsetzen zu müssen. Der Garten ist meistens in unterschiedliche Felder eingeteilt, häufig vier, in denen sich die Sorten abwechseln. Es wird zwischen Stark-, Mittel- und Schwachzehrern unterschieden.
Starkzehrer: z.B. Gurken, Kartoffeln, Kohlgewächse, Kürbis, Lauch, Sellerie, Tomate, Zucchini
Mittelzehrer: z.B. Knoblauch, Mangold, Paprika, Radieschen, Rote Beete, Salat, Zwiebel
Schwachzehrer: z.B. Busch-Bohne, Erbse, Möhre, Pastinake

Mischkultur:

Mit der gleichzeitigen Kultur verschiedener Gemüse- und Blumenarten nebeneinander ahmt man das Wachstum in der freien Natur nach. Sinn und Zweck der Mischkultur sind die optimale Nutzung der Nährstoffreserven im Boden und gleichzeitig die Vorbeugung gegen Krankheiten und Schädlinge. So ziehen z.B. Kapuzinerkresse Läuse an, halten sie somit von anderen Pflanzen fern. Ringelblumen verbessern die Bodenqualität und ziehen gleichzeitig Bienen und Marienkäfer an. Schädlinge und Krankheiten können sich nicht so schnell ausbreiten. Außerdem mischt man schnell wachsende und früh zu erntende Gemüsesorten mit langsameren Kulturen, um die Bodenfläche optimal zu nutzen. Z.B. werden Möhren mit Radieschen gemischt oder die Aussaat von Mangold findet neben Spinat statt.

Ein paar Beispiele für alte Gemüsesorten:

- Garten-Melde: als Salatbeigabe oder wie Spinat zubereitet
- Pastinake: Wurzelgemüse, wird wie Möhre gekocht und zubereitet
- Mangold: Stile und Blätter können verwertet werden, wie Spinat
- Guter Heinrich: die jungen Blätter als Salat, die älteren wie Spinat

Düngen und Schädlingsbekämpfung:
Brennnesseljauche:

Auf 10 L Wasser 1kg frische, kleingeschnittene Brennnesseln
(nicht blühend). Einmal am Tag umrühren, 2-3 Wochen vergären lassen. Gegen die Geruchsbildung hilft das Einrühren von Steinmehl. Als Flüssigdünger 1 : 10 verdünnen; als Spritzmittel 1 : 20 verdünnen.


beißende Brennnesselbrühe (Kaltwasserauszug):

Auf 10 L Wasser 1kg frische, kleingeschnittene Brennnesseln (nicht blühend). Nur 12 bis 24 Std. ansetzen, dann unverdünnt gegen Blattläuse ausspritzen.

 

Imkerei:

Seit August 2011  kooperiert der Verein Museumsschule Hiddenhausen e.V. mit dem Schweichelner Imker Hubert Raack. In der Deele der Museumsschule gibt es einen Informationsstand zur Bedeutung der Insekten und zum Lebenszyklus der Bienen sowie eine historische Honigschleuder und einen antiken Bienenkorb, die auf die Tradition der nebenberuflichen Imkerei vieler Dorfschullehrer, auch der Schulmeister in Schweicheln  im 18. und 19. Jahrhundert hinweisen. Eine Schule war und ist nicht nur eine Bildungseinrichtung um Rechnen und Schreiben zu erlernen, sondern auch um das Verständnis für Natur und Umwelt zu fördern. Insbesondere aber war die Imkerei für viele Dorfschullehrer  ein willkommener Nebenerwerb zu den meist kargen  Lehrereinkünften aus geringem Grundgehalt und dem Schulgeld, das die Eltern der Schulkinder bezahlen mussten. Dazu hatten die Lehrer in der Regel ein Wohnrecht im Schulhaus, ein Stück Land und Holzeinschlagrechte zur Selbstversorgung. So mancher Lehrer imkerte und sicherte sich mit dem Verkauf von Honig und Wachs  einen Zuverdienst. Honig ist in dieser Zeit ein äußerst begehrter Süßstoff gewesen und wurde im Verhältnis hoch gehandelt. Besonders da nur privilegierte Personen, z.B. Schulmeister und Pfarrer Bienen halten durften und in der Imkerei bewandert waren.
Gleichzeitig war Honig in vielen Fällen ein den Heilungsprozess unterstützendes Mittel mit breiter Anwendung. Kerzen aus Bienenwachs waren besonders in der Kirche, im Bürgertum und selbst in Adelshäusern ein gefragtes Produkt.
An Offenen Sonntagen und nach Terminabsprache wird Herr Raack in der Museumsschule anwesend sein und BesucherInnen erläutern wie im 18. und 19. Jahrhundert Honig geerntet wurde und wie es heute geschieht. Darüber hinaus erfährt man etwas über die Bedeutung der Bienen und Insekten für Natur  und Umwelt.
Schulklassen oder auch andere BesucherInnengruppen können den Besuch der Museumsschule mit einer Information zur Imkerei verbinden.  Zusätzlich zur Anmeldung in der Museumsschule können sie einen Termin mit Herrn Raack vereinbaren (link):

www.bienen-honig-hura.de